1. Die Beluga, ein Schiff von Greenpeace, beginnt ihre zweimonatige Elbtour mit Protestaktionen gegen Flussverschmutzer in Ost- und Westdeutschland.

  2. Im Südpazifik hindert die Rainbow Warrior die Treibnetzflotten Japans und Taiwans daran, ihre kilometerlangen "Todeswände" auszulegen. Im Sommer verkündet Japan das Ende der Treibnetzfischerei im Südpazifik.

  3. Die ostdeutschen Umweltämter werden in die westdeutsche Struktur überführt. Das Umweltbundesamt beginnt mit einer umfassenden Bestandsaufnahme der ökologischen Altlasten, für deren Sanierung von der Bundesregierung allein im Bereich Braunkohlebergbau zwischen 1992 und 1997 rund 1,5 Mio DM zur Verfügung gestellt werden. Problemlos gestaltet sich der Übergang einiger Gesetze.

  4. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Vorarbeiten auch des Umweltbundesamtes beschließt die Bundesregierung, die Emission des Treibhausgases Kohlendioxid in Deutschland bis zum Jahr 2005 um 25% im Vergleich zu 1990 zu senken. Deutschland wird damit weltweit zum Vorreiter im Klimaschutz.

  5. Die Rainbow Warrior II ging am 10. Juli 1989, dem Jahrestag der Versenkung ihrer Vorgängerin, offiziell auf Jungfernfahrt.

  6. 250 Aktionisten besetzen das Gelände der Firma "Hoechst" in Frankfurt und fordern den Stopp der FCKW Produktion. Am 29. und 30. August ist Du Pont in Deepwater (New Jersey) im Visier: Der Wasserturm wird besetzt und mit Bannern behängt, ein FCKW-Transport wird acht Stunden lang blockiert.

  7. 3 900 Tonnen pro Jahr krebserregendes Benzol, so das Ergebnis von UBA-Studien, entwichen allein in Deutschland beim Betanken von Kfz. Eine unsinnige Gefährdung, denn die giftigen Gase ließen sich durch eine Absaugvorrichtung an den Zapfsäulen verhindern. Das Ringen mit der Mineralölindustrie dauerte bis 1992. Seitdem sind "Saugrüssel" an Zapfsäulen in Deutschland Pflicht. Mit den Saugrüsseln werden die Emissionen zu etwa 85% vermindert. Sie funktionieren allerdings nicht immer einwandfrei, da die Mineralölwirtschaft die Systeme an den Tankstellen nicht häufig genug überprüft und instandsetzt.

  8. Der Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change; IPCC) wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet, um politischen Entscheidungsträgern eine unabhängige Informationsquelle über Klimaänderungen zur Verfügung zu stellen. Die UN-Versammlung in New York beschloß in ihrer Resolution 43/53 vom 6. Dezember 1988, dass der Intergovernmental Panel on Climate Change künftig regelmäßig den Stand der Forschung zum Klimawandel und zu realistischen Reaktionsstrategien zusammenfassen soll. Das IPCC ist ein regierungsunabhängiges wissenschaftliches Gremium, in dem wissenschaftliche Experten aus aller Welt mitwirken. In drei Arbeitsgruppen erarbeiten und bewerten Wissenschaftler anhand der aktuellen und anerkannten wissenschaftlichen Veröffentlichungen den jeweils neuesten Kenntnisstand zu Klimaänderungen und fassen ihn in regelmäßigen Sachstandsberichten sowie in Sonderberichten zu ausgewählten Themen zusammen.

  9. Vier Aktionisten erklettern einen Kran der streng bewachten Baustelle und entrollen ein riesiges Transparent: "Sonne statt Plutonium"

  10. Die Kampagne gegen die Chlorbleiche wird im südlichen Norwegen mit der Besteigung des Schornsteines der Zellstoff- und Papierfabrik "Borregaard" fortgesetzt.

  11. Vier Kletterer besteigen den Schornstein des luxemburgischen Stahlwerkes "Arbed-Belval", dessen Schwefeldioxid-Ausstoß den sauren Regen mit verursacht.

  12. Die Batterieindustrie und der Handel verpflichten sich, Knopfzellen, Haushalts- und Starterbatterien zurückzunehmen und für die Verwertung zu sorgen. Zudem wird eine schrittweise Verminderung des Quecksilbergehaltes in Alkali-Mangan-Batterien vereinbart, die wesentlich zur Quecksilberbelastung des Hausmülls beitragen.

  13. An bundesdeutschen Tankstellen gibt es kein verbleites Normalbenzin mehr.

  14. In Dreseden wird an der Georgij-Dimitroff-Brücke durch ostdeutsche Unterstützer von Greenpeace ein Protestbanner gegen die Verschmutzung der Nordsee durch die Elbanrainer-Staaten aufgehängt. Wasserproben aus der DDR belegen den Vorwurf.

  15. Die von den Vereinten Nationen einberufene Brundtlandt-Kommission für Umwelt und Entwicklung legt ihren Abschlussbericht vor. Darin wird erstmals das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung formuliert, welche den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden.

  16. In Deutschland entstanden die ersten Umweltambulanzen an Universitäten und Forschungsinstituten der Hygiene und der Arbeitsmedizin, so z.B 1987 am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der RWTH Aachen und 1989 am Medizinischen Institut für Umwelthygiene in Düsseldorf.

  17. Die Europäische Union startet ihr viertes Umwelt-Aktionsprogramm.

  18. Die Europäische Union begeht das Jahr des Umweltschutzes.

  19. Greenpeace Schweden startet die europäische Kampagne für Papierherstellung ohne Chlor und kippt eine halbe Tonne missgebildeter Fische vor das Tor des Zellstoffproduzenten "Värö Bruk".

  20. Kurz vor ihrer Protestfahrt gegen erneute Atomversuche auf Moruroa versenkt der französische Geheimdienst die Rainbow Warrior im Hafen des neuseeländischen Auckland. Der portugiesische Fotograf Fernando Pereira ertrinkt in seiner Kabine. Zwei französische Agenten werden gefasst und von einem neuseeländischen Gericht verurteilt. Die Feindseeligkeit gegen Greenpeace wird in Frankreich so stark, dass die französische Sektion ihr Büro in Paris schliessen muss. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag verurteilt Frankreich zur Zahlung von 15 Mio DM Schadensersatz

  21. Zwei Aktivisten erklettern den 73 m hohen Schornstein der britischen Firma "Tioxide"; vier Tage später verschließt ein internationales Team das Abwasserrohr der Firma, die das Verklappen von Titandioxin in der Nordsee nicht einstellen will.

  22. Die internationale Kampagne für bleifreies Benzin beginnt mit der Blockierung der "Essi Flora" im französischen Hafen Saint-Nazaire. Das Schiff ist mit bleihaltigen Benzinzusätzen beladen.

  23. Die Festlegung von Abgas-Grenzwerten und die regelmäßige Überprüfung des Schadstoffausstoßes von Pkw beruhen auf Vorarbeiten des Umweltbundesamtes. Die Schrittweise Ausweitung und Verschärfung der Vorschriften erzwingt den zunehmenden Einsatz von Abgaskatalysatoren. 1998 werden in Deutschland rund 71 % der gesamten Fahrleistung von Pkw mit geregeltem Drei-Wege-Katalysator zurückgelegt.

  24. Das Umweltbundesamt versucht erstmals in einer eigenen Studie Umweltschäden zu beziffern, um den Argumenten der Industrie etwas entgegensetzen zu können. Heute gehört die Monetarisierung von Umweltschäden zum volkswirtschaftlichen Handwerkszeug.

  25. Evakuierung von Rongelap. Vor 30 Jahren hatten überirdische Atomtests der USA das Atoll Rongelap, das drittgrößte Atoll der Marshall-Inseln, radioaktiv verseucht. Als immer mehr Kinder und Erwachsene krank wurden, entschieden sich die 350 Einwohner umzusiedeln. Greenpeace führt die Evakuierung durch.

  26. Das indische Projekt plant 30 Großstaudämme, etwas über 100 kleinere Dämme und Wasserkraftwerke sowie 80 000 km Kanäle als Be- und Entwässerungssystem. Mit diesem Projekt soll ein Dürregebiet fruchtbar gemacht, 20 Mio. Menschen ernährt und 1 Mio. Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Wasser des hauptsächlich betroffenen Flusses Narmada ist den Hindus heilig. Zur Verwirklichung des Projekts werden 100 000 indische Dravidas (rechtlose Bevölkerungsgruppe) umgesiedelt.

  27. Das Umweltbundesamt entwickelt mehrere Instrumente zum Monitoring aktueller Umweltbelastungen. Eine Momentaufnahme der Belastung mit Schadstoffen liefert der 1985 erstmals durchgeführte Umweltsurvey. Werte für bestimmte Schadstoffe in Blut, Urin und Haaren werden in einer Stichprobe von 4000 Personen bestimmt, die einen Querschnitt der deutschen Bevölkerung darstellt. Auch Archive wurden angelegt. Um Trends auch rückwirkend analysieren zu können, sammelt die Humanprobenbank an der Universität Münster seit 1984 routinemäßig menschliche Organproben und bewahrt sie in tiefgefrohrenem Zustand für spätere Untersuchungen auf. Parallel dazu wird eine Umweltprobenbank am Forschungsinstitut in Jülich aufgebaut

  28. Die Freiheitsstatue in New York ziert ein Transparent: "Give me Liberty from Nuclear Weapons Testing" - Befreie mich von Atomwaffentests.

  29. Am Ziffernblatt des "Big Ben" in London flattert ein Protestbanner: "Time to Stop Nuclear Testing" - Zeit, die Atomtests zu beenden.

  30. Als Signal gegen den sauren Regen besetzen Aktionisten in acht Ländern gleichzeitig die Abgasschlote von Kohlekraftwerken: in Dänemark, England, Holland, Belgien, Frankreich, Österreich, in der Tschechoslowakei und in der Bundesrepublik.

  31. Greenpeace verschärft den Protest gegen Dünnsäureverklappung durch eine Serie von Aktionen: In Nordenham an der Verladepier von Kronos Titan, in Duisburg bei der "Pigment-Chemie Sachtleben" und in Tracy (Quebec) bei der "Tioxide of Canada". Am Jahresende kündigen Kronos Titan und Pigment Chemie den Bau von Recycling-Anlagen an und versprechen das Ende der Dünnsäureverklappung für 1988.

  32. Die WHO-Euro verabschiedet die Strategie "Gesundheit für alle". Die Erkenntnis, dass die menschliche Gesundheit auch von Umweltfaktoren abhängig ist, veranlasst sie zu 38 neuen Zielvorgaben, sieben davon zum umweltbezogenen Gesundheitsschutz. Diese betreffen sowohl die direkten Auswirkungen von Umweltfaktoren als auch die indirekten Auswirkungen psychosozialer Faktoren auf Gesundheit und Wohlergehen.

  33. Im Luftraum über Berlin demonstriert Greenpeace mit dem Ballon "Trinity" gegen die Atomwaffentests. Nach ihrer Landung in der DDR werden die Ballonfahrer fünf Stunden verhört und anschliessend abgeschoben. 1985 gibt die DDR gegen "Lagerkostenerstattung" von 8523 DM den beschlagnahmten Ballon "Trinity" zurück.

  34. Sechs Aktivisten fahren mit Schlauchbooten zum Strand von Lorino auf der Tschuktschen-Halbinsel, auf der seit Jahren das Fleisch illegal harpunierter Grauwale (einer bedrohten Art) zu Futter für Zuchtnerze verarbeitet wird. Kurz nach dem Filmen der Walfangstation werden die Aktivisten verhaftet, nur einer entkommt mit den Filmen. Das Material wird der Internationalen Walfang-Kommission vorgelegt.

  35. Vier Aktivisten dringen in das US-Atomtestgelände in Nevada ein und fordern den sofortigen Teststopp.

  36. Der "Bayer"-konzern beendet seine Dünnsäureverklappung in der Nordsee.

  37. Das Greenpeace-Schiff "Sirius" besucht Leningrad um gegen sowjetische Atomtests zu protestieren. Das Schiff wird aus dem Hafen geschleppt.

  38. Die Europäische Union startet ihr drittes Umwelt-Aktionsprogramm.

  39. Bilder der dramatischen Aktion gegen britische und holländische Atommüll-Verklappungsschiffe gehen um die Welt. Am 22. September verkündet die Regierung in Den Haag ihren Rückzug aus der Atommüllverklappung.

  40. "Autofrei - Spaß dabei !" Das Motto mobilisiert die Bevölkerung zu Sportaktionen, Wanderungen und anderen Aktivitäten ohne Auto - obwohl die Ölkrisen längst vorbei waren. Nach drei Jahren verläuft die Aktion vorläufig, nicht zuletzt weil das Interesse der Umweltverbände nachlässt, im Sande. Im Jahre 2000 findet ein autofreier Sonntag im Sommer (18.06.) statt, und im Herbst (22.09.) wird der Tag europaweit begangen.